FASSADE BECKs LOGISTIGZENTRUM

Anschrift:
Am Grünenkamp, Bremen

Bauherr:
Brauerei Beck&Co. Inbev Deutschland

Wettbewerb:
2005 1.Preis
BDA-Preis 2010

Ausführung:
2006

Gebäudeplanung und Bauleitung:
Harald Schröder

Fotos:
Studio B (Bild 1,2)

 

Entwicklung einer Fassade für ein Logistikzentrum in innerstädtischer Lage. Der Fassadenentwurf musste einerseits den gestalterischen Ansprüchen einer innerstädtischen Bebauung gerecht zu werden, andererseits die betrieblichen Anforderungen an Schallschutz und sommerlichen Wärmeschutz erfüllen. Realisiert wurde eine 2-schalige Fassadenkonstruktion mit belüftetem Zwischenraum, deren äußere Ebene aus grün eingefärbten Glasbaustein-Fertigteilen besteht. Die innere Ebene wurde als einfache Kassettenwand mit Trapezblech-Bekleidung erstellt.

 

AUS EINEM INTERVIEW:

Was sind die originären Charakteristika des Becks Logistikzentrums (kurze Beschreibung der baulichen Situation aus architektonischer Sicht)?

Das Charakteristische an der Brauerei Beck&Co. ist ihre Lage innerhalb der Stadt Bremen, direkt an der Weser. Die Brauerei liegt somit im Herzen der Stadt Bremen. Das neue Logistikzentrum ist ein zentrales Lager für die Auslieferung der in Flaschen abgefüllten Biere und befindet sich auf einem ehemals unbebauten Teil des Firmengeländes unweit der Innenstadt, direkt an einer der Haupteinfallstrassen ins Zentrum. Aufgrund seiner städtebaulich bedeutenden Lage, war der gestalterische Anspruch an den Neubau entsprechend hoch.

Können Sie Grundlagen des Projekts ein wenig erläutern?

Grundlage des Projektes ist ein Architektenwettbewerb, den die Brauerei Beck&Co. im November 2005 ausgeschrieben hat. Gesucht wurde ein Entwurf für die Gestaltung der Fassade des neuen 13.000 m² großen Logistikzentrums der Brauerei, welches in innerstädtischer Lage an der Kreuzung zweier wichtiger Strassen errichtet werden sollte. Eine Besonderheit an der Aufgabe war es, eine Fassade zu entwickeln, die in einem ersten Bauabschnitt lediglich für eine eingeschossige Lagerhalle konzipiert ist, in einem zweiten Bauabschnitt eine Aufstockung des Gebäudes auf 18,00 m Höhe probemlos ermöglicht. Den Wettwewerb konnte unser Büro für sich entscheiden. Der erste Bauabschnitt wurde Ende 2006 fertig gestellt.

Können Sie das Konzept Ihres Entwurfs erläutern?

Die Herstellung der Fassade in Glasstein-Fertigteilen ermöglicht einen maximalen Vorfertigungsgrad und damit kürzeste Bau- und Montagezeiten. Eine Lagerhaltung von Baumaterialien auf der Baustelle ist nicht erforderlich, da die Teile „just in time“ angeliefert und eingebaut werden. Die Fertigteil-Bauweise ist in idealer Weise geeignet, zu einem spätern Zeitpunkt (2. Bauabschnitt) die Fassade nach oben zu erweitern. Durch die Einteilung der Fassade in gleiche quadratische Felder wird eine ruhige und grosszügige Gestaltung erreicht, die aus den technischen Anforderungen der Fertigteilherstellung abgeleitet ist. Die ästhetisch ansprechende Erscheinungsbild wird also nicht erreicht über eine manirierte Gestaltung der Fassadenmaterialien Gestaltung. Die Gestaltung funktioniert vielmehr über das Material Glasstein selbst und seine Einbindung in die Fertigteile mit ihren technisch konstruktiven Anforderungen.
Gestaltung nicht durch Manierismus und Design, sondern durch die Konstruktion und das Material an sich (Glasstein und Beton).

Warum haben Sie gerade für die Verwendung von Glasbausteinen für Ihrem Projekt entschieden?

Glasbausteine bieten bei dieser Bauaufgabe die ideale Möglichkeit, Funktion wie Schallschutz, Wärmeschutz und natürlichen Lichteinfall mit ästhetischen Anforderungen zu verbinden.

Warum haben Sie gerade diese spezielle Form und Farbe der Glasbausteine gewählt?

Die grüne Einfärbung wurde gewählt als Reminiszenz an die Marken-Farbe Grün der Brauerei Beck&Co. Die Glassteine sind rückseitig satiniert, dadurch entsteht ein transluzenter Effekt, der einerseits Unregelmässigkeiten hinter der Fassade optisch kaschiert, andererseits eine gleichmässige Streuung der farbigen Fassadenhinterleuchtung gewährleistet. Das Design alpha mit dem Kreis-Symbol im Glasbaustein lässt den Flaschenboden einer Bierflasche assoziiren und und stellt so sehr subtil die Verbindung zu den hinter der Fassade gelagerten Bierflaschen her.

Können Sie etwas zu der Bauweise und der Verarbeitung der Glasbausteine sagen?

Die Glasbaustein-Fassade wurde aus Fertigteilen in einer Größe von b/h = 6,00m/2,00m hergestellt. Die Teile wurden industriell werkseitig vorgefertigt. Die Teile bestehen aus 3 Feldern a 8 x 8 Glassteinen, die von einem 15 cm breiten Betonrahmen eingefasst werden. Die Stärke der Teile beträgt 8 cm.

Können Sie die Zusammenarbeit mit den anderen Projektbeteiligten beschreiben, die zu dieser speziellen technischen Lösung geführt haben?

Der Fassadenaufbau wurde in der Planungsphase bauphysikalisch untersucht. Energiedurchgang und Schalldämmwerte wurden von einem unabhängigen Fassadenplaner im Vorfeld ermittelt. Insbesondere die Fragen zum sommerlichen Wärmeschutz mussten gelöst werden.
Besonders wichtig für die Realisierung des Projekts war die technische Beratung der Fa. Ammann Glas- und Metallbau in München. Herr Emmanuello gab uns wichtige Informationen über die Eigenschaften und Verarbeitbarkeit der Glassteine in Fertigteilen. Fa. Ammann hat später auch die Fertigteile geliefert und montiert.

Haben sich Ihre Erwartungen hinsichtlich der Wirkung und Handhabung der Glasbausteine erfüllt?

Ja, ich denke die optische Wirkung der Fassade sowohl am Tage als auch insbesondere nachts in Verbindung mit der grünen LED-Hinterleuchtung entspricht genau dem Bild, welches wir uns im Architektenwettbewerb vorgestellt haben.

Können Sie sich vorstellen, diesen Glasbaustein auch an anderer Stelle zu verwenden oder ist der grüne Stein dem Beck`s Gebäude vorbehalten?

Natürlich ist der grüne Alpha-Glasstein mit diesem Projekt ein wenig zum “Beck´s-Glasstein“ geworden. Im Augenblick kann ich mir nicht vorstellen, den „grünen Alpha-Glasstein“ in einem anderen Projekt zu verwenden.

Ihre persönliche Meinung, als Architekt, losgelöst vom Beck`s Projekt: Für welche Bauaufgaben sind Glasbausteine besonders geeignet?

Insbesondere im großmasstäblichen anspruchsvollen Industrie- und Gewerbebau hat der Glasstein eine Zukunft, da dort die einfache und schnelle Verarbeitbarkeit in Fertigteilen und der robuste Charakter besonders gefragt sind. Der nicht so günstige u-Wert des Glassteins ist dort eher nebensächlich.